Ich liebe Lottis Jagdtrieb!

Auch wenn das manchmal ganz anders scheint und es oftmals verdammt anstrengend ist – ich liebe Lottas Jagdtrieb! Hört sich im ersten Moment total verrückt an, aber so ist es nun einmal. Überall lese ich von „Wie gewöhne ich meinem Hund das Jagen ab?“ und „Kann ich meinen Hund jemals laufen lassen?“. Meine Güte, liebe Leute, ihr habt einen waschechten Hund, womöglich noch einen Jagdhund, findet euch damit ab! Euer Hund wird niemals nicht jagen gehen!
Überraschend? Erschreckend? Beides?

Ja.

Mir wurde mit 12 Jahren gesagt, dass aus Lotti eh nie etwas wird, sie „austherapiert“ sei, man einen Terrier eben nicht erziehen kann. Lotta ist Arbeit, ihr Jagdtrieb ist zwar nicht extrem stark, aber dennoch deutlich vorhanden. Im Wald kann ich und werde ich sie niemals ableinen können. Es reicht eine Fährte und sie wäre weg. Bestimmt würde sie irgendwann wiederkommen, aber wozu sollte ich das riskieren? Also bleibt sie an der Schleppleine.

Und wir gehen gemeinsam jagen.

Wenn ich mit Lotti in den Wald gehe, ziehe ich mir immer die dicksten Stiefel an, wasserabweisend natürlich, binde mir einen Schal um und nehme ihr Geschirr und die Schleppleine mit. Außerdem ein Spielzeug und manchmal ein paar Leckerlis. Im Wald ist sie im ersten Moment ruhig und gelassen, aber die Spuren werden interessanter, je tiefer wir gehen. Und ich lasse sie machen. Weit kommt sie eh nicht, die Schleppleine ist nur 15 Meter lang. Sie zeigt mir Spuren, die ich ohne sie nie gesehen hätte! Dabei bleibt sie erstaunlich ruhig. Sie inspiziert die Abdrücke von Reh, Hase und Wildschwein ganz genau und bleibt ruhig, bis ich mir die auch anschaue. Zusammen gucken wir, wo das Viech hätte langgehen können und mit ihrer guten Nase findet Lotti auch die Fährte. Meistens gehen wir zusammen ein paar Meter auf der Fährte entlang, ruhig auch mal mitten in den Wald hinein. Irgendwann sage ich ihr, dass es genug ist und warte, dass sie sich umdreht. Dann gehen wir wieder zurück und suchen uns eine neue Fährte.

Das können wir stundenlang so machen!

Dabei darf Lotti auch entscheiden, wo wir abbiegen und wo wir entlang gehen. Sie darf mal der Boss sein, sich den Weg aussuchen und den Fährten folgen. Wenn wir mal ein Reh sehen, warten wir und schauen es uns an. Es hätte eh keinen Sinn, Lotta davon abzubringen. Mittlerweile bleibt sie meist entspannt und schaut nur hinterher, fiept vielleicht mal. Trotzdem bleiben wir da stehen und gucken weiter, solange bis sie sich umdreht und selbst entscheidet, dass sie genug hat.

Ich gehe schließlich für Lotta in den Wald, ohne sie würde ich nur die ganze Zeit vor dem Handy sitzen. Warum soll sie dann nicht auch mal etwas Reh-TV haben?

Ich zeige Lotta sogar Wildspuren, wenn ich mal welche entdecke. Wir gehen durch das Unterholz und suchen die Waldbewohner, immer darauf bedacht, niemanden zu stören.

Was würde ich bloß ohne einen jagenden Hund tun?

Mit wem würde ich meine Nachmittage im Wald verbringen und wer würde sich so über den Fund von Rehkacke freuen?

Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass ich den Jagdtrieb aus Lotti nie herausbekommen werde.

Und das ist gut so.

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Die Schleppleine ist zumindest im Wald unser ständiger Begleiter – aber immerhin können wir sie auf dem Boden liegen lassen!
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2 thoughts on “Ich liebe Lottis Jagdtrieb!

  1. Weißt du denn, ob das ausschließlich bei Jagdhunden so ist? Mein Lasse ist ja ein Golden Retriever. Dieser Rasse wird ja eigentlich nicht all zu viel Jagdtrieb nachgesagt. Trotzdem ist es schwierig bis unmöglich, Lasse im Wald von der Leine zu lassen. Früher war der Wald einer meiner Lieblingsorte mit Hund. Doch seit Lasse den Fährten folgt, ist es leider nicht mehr so entspannt. Denn es wird immer gezogen, auch an der Schleppleine. Meinst du ich sollte das einfach akzeptieren? Wir üben schon seit einer Weile und langsam machen sich auch Fortschritte bemerkbar. Doch der Spaziergang soll auch Lasse und nicht nur mir Spaß machen.
    Liebe Grüße,
    Noemi & Lasse

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  2. Ich denke auch, wenn man sich für einen Jagdhund entscheidet, sollte man das in gewisser Weise auch akzeptieren. Wenn sich der Jagdtrieb dann aber so gestaltet, dass der Hund über Stunden wildern geht, würde ich wohl auch nur mit Schleppleine in den Wald oder ins Feld gehen. Vorausgesetzt man ist so schnell und kann dann auch im entscheidenden Moment nach der Schleppleine greifen. Wir haben mit Nala auch eine kleine Spurensucherin. Sie schnüffelt und verfolgt unheimlich gerne die unterschiedlichsten Spuren, würde sich dabei aber niemals sehr weit von uns entfernen. Aber wir lassen sie da auch einfach ihrem Instinkt nachgehen und unterbinden dieses Verhalten nicht. Hunde müssen eben auch mal Hunde sein dürfen. Viele Grüße, Carina

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