Mit Hund ins Auslandsjahr – warum das keine gute Idee ist

Ganz oft werde ich gefragt, wie ich denn so lange von Lotta getrennt sein kann, ganze 10 Monate! Auch, ob ich sie gar nicht vermissen würde, wo ich doch so alleine hier in den Staaten bin, oder ob ich sie gar nicht liebe, dass ich sie alleine zuhause lasse. Der Dauerbrenner ist aber, warum ich meinen Hund nicht einfach mitgenommen hätte!

Ja, wie schaffe ich es bloß, so lange von ihr getrennt zu sein? Um ehrlich zu sein, weiß ich das selber nicht. Wahrscheinlich genau so, wie ich es auch schaffe, von meinen Eltern getrennt zu sein, ich lenke mich ab. Unter der Woche treffe ich oft Freunde, bin natürlich in der Schule, ich spiele jeden Tag Tennis oder bin einfach im Internet unterwegs, je nach dem wo mir der Sinn nach steht. Am Mittwochabend und Sonntag haben wir Kirche, das ist auch immer ziemlich zeitintensiv, aber es macht total Spaß! Am Wochenende haben wir auch fast immer Freunde bei uns, oder wir sind bei Freunden, und gucken Filme oder haben Spieleabende, da ist immer volles Programm. Ich habe also fast gar keine Zeit Lotta zu vermissen!

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Vermissen – nur ein bisschen!

Auf jeden Fall hätte ich Lotta mitgenommen, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte! (Genauso wie ich aber auch meine Familie mitgenommen hätte und meine Freunde) Im Nachhinein wäre ich damit aber gar nicht glücklich gewesen. Ein Hund bedeutet Zeit, er kostet viel Geld und man hat eine riesige Verantwortung dem Tier gegenüber Lotta könnte ich hier gar nicht gerecht werden! Ich hätte niemanden, der mit ihr vormittags Gassi gehen würde, sie wäre von sieben bis vier Uhr alleine und danach könnte ich erst mit ihr raus. Normalerweise treffe ich mich aber direkt nach der Schule mit Freunden, das würde dann also wegfallen, weil ich mich um Lotti kümmern muss! Wir leben in der Stadt, haben zwar einen Hundepark, aber auch der ist relativ weit weg, ansonsten haben wir in der Umgebung nur Straßen und Häuser, die paar Parks die wir haben sind nicht für Hunde zugänglich Das heißt, dass Lotti in den 10 Monaten, die sie mit mir hier wäre, kaum freilaufen könnte, sondern nur an der Leine um die Häuser dackeln würde, das wäre viel zu schade für sie!

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Bella ist draussen total zufrieden – sie will gar nicht ins Haus

Außerdem müsste sie wahrscheinlich draußen bleiben, und zwar Tag und Nacht. Bella, mein Gasthund, darf, wenn überhaupt, nur in einen Raum des Hauses, ansonsten ist sie draußen im Garten. Ich würde aber keinen Hund wollen, den ich dann nur draußen halten könnte! Lotta wäre total einsam, es wäre ungewohnt für sie und wahrscheinlich fände sie das auch mehr als suboptimal!

Überlegt man wirklich, den Hund mit ins Auslandsjahr zu nehmen, dann muss man den Flug planen. 12 Stunden im Flugzeug ist kein Vergnügen! Lotta wäre schon zu groß, als dass sie mit in die Kabine dürfte, sie müsste also im Bauch des Fliegers sitzen, 12 Stunden ohne jeglichen Menschen und ganz alleine, sie hätte keine Möglichkeit sich zu erleichtern und Wasser gäbe es auch nur wenig, eine schreckliche Vorstellung für mich. Der Flug an sich kostet auch nur für den Hund ein kleines Vermögen, das muss man auch immer mit einkalkulieren. Aber wenn man gelandet ist, wird es nicht besser: Selbst wenn der Hund alle nötigen Impfungen hat, so müsste er für verhältnismäßig lange Zeit in Quarantäne, dürfte das Haus nicht verlassen. Wenn ich mir vorstelle, dass Lotti 6 Wochen keinen Kontakt zu anderen Hunden darf oder von mir weg bei Menschen ist, die ich nicht kenne, wird mir Angst und Bange. Vor allem, weil die Quarantäne extra kostet!

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Bella ist draussen total zufrieden – sie will gar nicht ins Haus

Hier in den Staaten würde ich unser gewohntes Hundefutter gar nicht bekommen, also würde zu dem ganzen Stress des Umzugs auch noch ein Futterwechsel stattfinden, gar nicht so einfach zu verdauen für den ganzen Hund, Lotta wäre auf jeden Fall enorm gestresst! Aber nicht nur das Hundefutter wäre anders, sondern auch die tägliche Routine wäre futsch. Nicht, dass das so schlimm wäre, aber zu Anfang, wenn man die Familie erst noch kennen lernt, und versucht, ein stabiles Umfeld für das Tier zu schaffen, stelle ich mir das als viel Arbeit vor.

Wo wir schon von der Familie sprechen, auf die muss man auch immer zwingend Rücksicht nehmen! Meine kleine Schwester hat Angst vor Hunden, sobald sie größer als 40cm sind oder bellen. Lotta hat zwar nur 38cm Höhe, bellt aber ab und an mal, sie findet es auch gar nicht gut morgens geweckt zu werden oder wenn man sie erschreckt oder wenn man sie plötzlich streichelt, obwohl sie auf ihrem Ruheplatz ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das meinen Geschwistern recht egal wäre, wo Lotta gerade liegen würde, die würden entweder gar keine Notiz von ihr nehmen oder aber sie in den Wahnsinn treiben.

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Ja – Lotta kann auch anders, als immer zu schlafen! 😀

Zudem wäre ich auch die ganze Zeit gestresst, dass Lotta sich gut verhält! Bei uns zuhause darf sie auch mal bellen oder knurren im Spiel, wir wissen damit umzugehen und kennen ihre Macken, aber fremde Menschen sind immer schnell verunsichert, vor allem wenn Lotta anfängt zu knurren, obwohl sie nie beißen würde! Trotzdem hat sie ihre Eigenarten mit denen man lernen muss umzugehen.

Mal eben ins Restaurant gehen ist nicht. In Amerika dürfen Hunde nur selten mit ins Restaurant oder auch nur Einkaufszentrum, es sei denn, sie sind Assistenzhunde. Wir gehen öfter mal essen, mit Freunden oder mit der Familie, wenn ich jedes mal jemanden suchen müsste, der mir auf den Hund aufpasst oder ich sie alleine Zuhause lassen müsste, fände ich das ziemlich doof.

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Die Gassirunde – nicht besonders anschaulich

Wie man merkt würde ich meinen Hund niemals mit ins Auslandsjahr nehmen, man verpasst so einiges, und die 10 Monate sind dazu da, Freunde zu finden und viel mit denen zu unternehmen und nicht um sich um einen Hund zu kümmern, den man von Zuhause mitgenommen hat. Und da ist es egal, ob man ins weit entfernte Amerika fährt oder in der EU bleibt, meiner Meinung nach verliert man eine Menge spontaner Aktionen, würde man den Hund mitnehmen! Zumal es in einem Auslandsjahr auch darum geht, alles Bekannte hinter sich zu lassen und im Prinzip einen Neuanfang durchzuziehen, zwar auf Zeit, aber ohne Altbekanntes.

Ich finde, ein Hund wäre hier nur ein Klotz am Bein, auf den man die ganze Zeit Acht geben muss. Was bin ich doch froh, dass meine Eltern auf Lotta aufpassen 🙂

Könntet ihr euch vorstellen, euren Hund mit ins Auslandsjahr zu nehmen? Oder überhaupt ein Jahr von Freunden, Familie und Altbekannten getrennt sein?

 

Paula

  • 07.03.2016
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2 thoughts on “Mit Hund ins Auslandsjahr – warum das keine gute Idee ist

  1. Ich kann total verstehen, dass du Lotti nicht mitgenommen hast. Ehrlich gesagt wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen einen Hund mit ins Auslandsjahr zu nehmen.
    Vor gut 10 Jahren (ohje bin ich schon so alt!) Da war bei mir auf der Schule die Zeit, als damals viele ins Ausland gegangen sind. Mich hat das ja ehrlich gesagt nie gereizt, aber ich könnte einfach nicht so lange von meiner Familie und Freunden getrennt sein.
    Deshalb Hut ab, dass du diesen spannenden Schritt gewagt hast. Es ist sicher eine super coole Erfahrung! Aber ich weiß von meinen Schulfreunden damals, als die nach einem Jahr wiederkamen, dass deren Alltag im Ausland sehr voll war. Freunde, Familie und gemeinsame Aktivitäten sind dort sooo wichtig. Ein Hund passt da nicht rein. Zudem haben Hunde dort in vielen Familien auch einen ganz anderen Stellenwert als Hunde bei uns.
    Ich bin mir sicher du hast alles richtig gemacht. 🙂

    Nun dauert es ja aber auch gar nicht mehr soooo lange und du kommst wieder zurück. Lotti wird sich bestimmt tierisch freuen.

    LG

    Jasmin

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  2. Ich wollte früher unbedingt ein Auslandsjahr machen, habe das aber immer vor mir weg geschoben und nun bin ich so im Arbeitsalltag drinnen dass ich es mir nicht mehr vorstellen könnte! Nala würde ich aber auch nicht mitnehmen! Alleine der Flug! Ich glaube sie würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn sie unten im Frachtraum des Flugzeuges in einer Box sein muss. Ich finde man sollte immer nach den Bedürfnissen des Tieres entscheiden. Nala könnte zB auch hin und wieder mit zu mir ins Büro und ich hatte sie auch schon auf der Arbeit dabei, allerdings muss sie hier still sein, ruhig in der Ecke auf ihrer Decke liegen bleiben und so lange mein Freund studiert und sich zuhause mit ihr beschäftigt und mit ihr große Runden dreht, finde ich das einfach die bessere Alternative! Genauso ist es bei meinen Eltern, wenn wir beide tagsüber unterwegs sind, dort kann sie im Garten toben und meine Mama geht mit ihr spazieren ☺️

    Aber wie du auch schon sagst, genieße die Zeit in Amerika, denn wahrscheinlich wird sich so ein Auslandsjahr nicht noch mal ergeben und das sollte man eben in vollen Zügen genießen! Lotta hat es gut bei deinen Eltern und sie freut sich bestimmt riesig, wenn du wieder zuhause in Deutschland bist ☺️

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