Gastbeitrag – Die Hundse

Ja, was sind denn Hundse? Na, ganz einfach: zwei total durchgedrehte und niedliche Mischlinge, die so gemischt sind, dass die einzelnen Rassen in der Titelreihe gar keinen Platz haben! 😀

Mit den „Hundsen“ geht es auch in die letzte Mischlingsrunde! Nächsten Mittwoch seht ihr einen Gastbeitrag von einer Rassehundehalterin, deshalb seid gespannt was euch heute noch erwartet!

Ich bin Clara, Studentin und bin 21 Jahre alt. Zusammen mit meinem Freund habe ich zwei Hunde: unseren Rüden Sammy und unsere Hündin Yuna.
Sammy haben wir mit 10 Wochen als Welpe zu uns geholt, somit wohnt er seit Mai 2014 bei uns. Yuna haben wir im Juni 2015 aus Rumänien adoptiert. Sie und Sammy sind mit fast zwei Jahren ungefähr gleich alt.

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Yuna ist auf dem Alten Bild kaum wiederzuerkennen!

Als wir damals nach unserem ersten Hund gesucht haben, hatten wir viele Rassen im Sinn. Ob Chihuahua, Shiba Inu oder Retromops, wir waren in sehr viele Rassen verliebt. Und auch heute liebe ich Rassen wie italienische Windspiele oder Bretonische Spaniels. Warum wurde es dann aber trotzdem ein Mischling? Zu dieser Entscheidungszeit waren wir oft in unserem Tierheim helfen, um generell mehr Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen sammeln zu können. Es war das erste Mal, dass ich mich aktiv mit Tierschutz befasste. Wir waren blutige Anfänger und für uns war der richtige Hund leider nicht im Tierheim zu finden, außerdem wollte ich unbedingt mit einem Welpen anfangen. Da wir damals einfach noch nicht wussten, dass es so unendlich viele Welpen im Ausland gibt, die schon mit zarten 8 Wochen auf ein Zuhause warten, kam damals für uns nur ein Mischlingswelpe in Frage. Sammy stammt von Privat aus einem sogenannten „Ups-Wurf“. Dabei haben wir natürlich darauf geachtet, dass es keine Hobbyzucht war und es sich nicht um Wühltischwelpen handelte.

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Sammy, ein Windhundmischling

Nachdem wir Sammy hatten, sind wir durch Bekannte auf die Organisation gestoßen, von der auch Yuna kommt. „Asociatia Paws United“ heißt die rumänische Organisation, die Welpen und erwachsene Hunde aus der Tötung, von den Straßen oder aus sehr schlechter Haltung rettet. Wir lernten mehrere Hunde von dort kennen und sie waren allesamt wundervoll. Heute kenne ich acht Hunde von diesem Shelter und keiner ist ein sogenannter „Problemhund“. Wir beschäftigten uns viel mit der Situation dort und durch richtige Aufklärung kam ein Rassehund für uns erst einmal nicht in Frage.
Mir wurde schnell klar, dass es den Hunden in anderen Ländern nicht so gut geht wie bei uns. Während hier unsere Hunde alles bekommen, was wir ihnen geben können, sterben die Welpen dort, nachdem sie von irgendwelchen Menschen in die Mülltonne geschmissen wurden. Yuna hat in ihrer Zeit dort auch viele schlimme Erfahrungen gemacht. Ihre Schulter war einmal gebrochen, weil sie in der Tötung von Wärtern verprügelt wurde, zudem werden die Hunde im Winter bei Minusgraden mit kaltem Wasser abgespritzt, um die Käfige zu „reinigen“ und zum Essen haben sie oft nicht mehr als ihre eigenen Exkremente. Was ich immer wieder höre und mich wirklich wütend macht, ist das wohl größte Vorurteil gegenüber Auslandshunden: „Die sind eh alle verstört und werden auch nie wieder normal!“. Mit Yuna und Pflegehunden hatten wir jetzt schon vier Hunde von dort direkt bei uns und kein einziger war verstört.

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Zwei Hunde wie Pech und Schwefel!

Im Gegensatz, sie sind alle wahnsinnig gut sozialisiert und alle total menschenbezogen. Ich kann ehrlich sagen, dass Yuna ein extrem einfacher, verkuschelter und entspannter Hund ist, der komplett mit allen Lebewesen verträglich ist und trotz ihrer Vergangenheit wahnsinnig lebensfroh und verspielt ist. Die Hunde von dort sind meist sehr einfach zu erziehen und mit Yuna hatten wir es sehr viel leichter als mit Sammy. Natürlich müssen sie erst lernen, was ein Einkaufszentrum oder eine Leine ist, aber das muss auch jeder Welpe. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass ältere Hunde viel schneller und einfacher lernen als Welpen. Das war auch der Grund, warum wir mit Yuna keinen Welpen nahmen. Als wir im Dezember den kleinen halbverhungerten und noch gerade so lebenden Pflegewelpen Momo vom Transport abgeholt haben, wusste ich, wieso ich das mache, wieso ich erstmal keinen Rassehund kaufen möchte ohne meinen Teil beizutragen.
Dabei verurteile ich selbstverständlich NICHT Menschen, die Rassehunde kaufen und besitzen, mir fällt es persönlich jedoch schwer, es im Moment mit meinem Gewissen zu vereinbaren, nachdem ich die Situation besser verstehe und über viele tote Hunde lese, die es trotz einfach zu behandelnden Krankheiten nicht geschafft haben, weil es kaum finanzielle Unterstützung gibt. Dabei kann und möchte ich es natürlich nie ausschließen, dass ich mich trotzdem mal für einen Hund vom Züchter entscheiden werde, da es eben natürlich auch gewisse Vorteile hat. Und ich kann es mir auch vorstellen, dass der nächste Hund vielleicht ein Rassehund sein wird, nachdem wir noch ein paar Hunde vermittelt haben.

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So sieht ein zufriedener Hund (mit Blumenkranz) aus!

Ob ich durch meine Mischlinge Vorteile habe, ist schwer zu sagen, da ich keinen direkten Vergleichswert habe. Ich denke, die Gesundheit hängt in erster Linie von Futter, Bewegung und Figur ab. Natürlich bringt ein Mischlingshund weniger Erbkrankheiten mit sich, da der Genpool meist viel größer ist, jedoch kann man nicht sagen, dass er gesünder ist, gerade weil er ein Mischling ist. Meine Hunde waren noch nie wirklich krank, aber ich lege bei meinen Hunden auch wahnsinnig viel Wert auf gesunde Ernährung, Sport und Idealgewicht. Jeder Hund kann krank werden, aber man selbst hat oft auch viel Einfluss darauf.
Der größte Vorteil meiner Mischlingshunde ist dabei, dass sie sehr breitgefächert einsetzbar sind. Ob schwimmen, apportieren, suchen, tricksen, Agility, Gehorsam oder kuscheln, ich konnte Sammy alles davon beibringen und lieben lehren, obwohl es in seinen Genen bzw. Rassen nicht unbedingt „vorprogrammiert“ ist. Ich denke, man kann einen Mischlingswelpen in viel mehr Richtungen lenken, da es eben geringere Einschränkungen oder Spezifizierungen der Charaktereigenschaften durch Rassenprofile oder Zuchtstandards gibt. Dabei fällt mir auf, dass beide in erster Linie die guten Eigenschaften ihrer vielen Rassen vereinen und je nach Förderung kann man diese stark oder weniger stark ausprägen. Nachteile habe ich noch keine erlebt. Viele sagen immer, dass Mischlinge Überraschungspakete seien. Jedoch kann ich dabei nur für uns sprechen, denn wir haben zwei Mal eine bestimmte Art Hund gesucht (sowohl optisch als auch charakterlich) und dies zwei Mal erfolgreich und sogar leichter in einem Mischling gefunden. Natürlich weiß man bei einem Rassehund, wie der Charakter mal sein wird, bei einem Mischlingswelpen kann ich diesen wahrscheinlich aber mehr formen. Das sind für mich beide große Vorteile. Jedoch kann ich mich als Halter eines Mischlings nicht auf den schlechten Eigenschaften meines Hundes ausruhen. Da bringen Ausreden nichts wie „das ist ein Terrier, der muss nicht hören.“ oder „die Rasse ist halt so und so, da kann ich nichts machen“ (so was finde ich nämlich sowieso doof ☺).
Letztlich kann ich sagen, dass meine Hunde genau so schlau, schön und talentiert wie Rassehunde sind. Das liegt einfach daran, dass Hunde in erster Linie Hunde sind, keiner ist dabei mehr oder weniger wertvoll, egal ob Mischling, Rassehund, Tierheim oder Zucht. Hund ist Hund und alle sind toll, da es einfach für jeden Menschen die richtige Fellnase zu finden gibt.

 

Vielen Dank an Clara, dass auch du uns alle Fragen so lieb und nett beantwortet hast 🙂

  • 17.02.2016
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3 thoughts on “Gastbeitrag – Die Hundse

  1. Ohhh Clara! Das ist ein wundervoller Beitrag! Sammy und Yuna sind großartig. Beide würde ich unheimlich gerne mal in Echt kennenlernen und euch natürlich auch. Die Geschichte von Yuna ist schrecklich, umso mehr freut es mich, dass sie mit euch so ein Glück hat und ihr Hundeleben sogar mit einem Hundekumpel Sammy verbringen darf! Wir wachsen langsam auch immer mehr in das „Hundedenken“ rein und versuchen vermehrt den Tierschutz zu unterstützen. Meine Freundin hat zwei Welpen über den Tierschutz Santorini bei sich aufgenommen. Beide sind heute 12 Jahre und immer noch fit wie ein Turnschuh. Sie geht mit ihnen immer noch zur Hundeschule und sie lernen heute noch viel Neues dazu. Also nochmal, klasse Text!!!

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